.music, .shop, .berlin – new generic Top-Level Domains (new gTLDs) gewinnen an Bedeutung

Im Juni 2011 wurde von der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) die schrittweise Einführung generischer Top-Level Domains beschlossen. Inzwischen finden die neuen Domain-Endungen wie .email, .berlin oder .media zunehmend Verbreitung. Mehr als 400 der als new gTLDs bezeichneten Endungen sind für die Registrierung von Second-Level Domains bereits frei gegeben worden. Im August 2015 hat die Zahl der unter den new gTLDs vorgenommenen Registrierungen die stattliche Marke von 7 Millionen überschritten. Doch das ist nur der Anfang: Es wird aktuell davon ausgegangen, dass in den nächsten Jahren über 1.300 der neuen Domainendungen verfügbar werden. Von Ulrike Grübler & Michael Schidler

Einige new gTLDs könnten zu neuen Branchen-Leitdomains werden

Das Interesse an der Registrierung von Domainnamen unter den neuen Endungen variiert abhängig von der Zeichenfolge erheblich. So wurden für die Endung .xyz bislang stattliche 1.2 Mio., für .photography ca. 50.000 und für .company um die 42.000 Registrierungen vorgenommen (Status: 25. August 2015). Die Attraktivität der new gTLDs liegt dabei auf der Hand, denn beschreibende Domainendungen bieten Unternehmen neue Möglichkeiten des Marketings. Sie erleichtern den Konsumenten zudem das Auffinden von Produkten bzw. Dienstleistungen. Einigen Endungen – z.B. .hotel – wird sogar zugetraut, in den jeweiligen Branchen zur neuen Leitdomains zu werden.

Bevor eine new gTLD zur allgemeinen Registrierung frei gegeben wird, läuft eine mehrwöchige Sunrise-Period. Innerhalb dieses Zeitraums haben Rechteinhaber die Möglichkeit der bevorzugten Registrierung ihrer Wunschdomain (vgl. Trademark Clearinghouse sowie unser Bericht vom 2. April 2013). Danach zählt in aller Regel allein der Zeitpunkt der Registrierung, d.h. es gilt das sog. Prioritätsprinzip. Etwas abgewandelt wird dieses System für einige Domainendungen, bei denen der Sunrise-Period zunächst eine Early-Access-Phase nachfolgt. Innerhalb dieser können definierte Premiumdomains teilweise für ein Vielfaches der üblichen Registrierungskosten gesichert werden. Interessant ist außerdem, dass einer der größten Player im Markt der new gTLDs, die Donuts Inc., für alle von ihr betriebenen new gTLDs (aktuell ca. 150) ein Blocking-System anbietet. Durch dieses können Markeninhaber Registrierungen durch Dritte tatsächlich verhindern (sog. DPML-Verfahren).

Gegen Registrierungen, die mit älteren Kennzeichenrechten konfligieren, können Rechteinhaber aber natürlich auch noch nach der Registrierung durch Dritte vorgehen. So wird für die neuen Top-Level Domains neben dem etablierten UDRP-Verfahren (UDRP = Uniform Domain-Name Dispute Resolution) ein als Uniform Rapid Suspension (URS) bezeichnetes Streitschlichtungsverfahren angeboten. Im Falle der missbräuchlichen Registrierung einer verwechselbar ähnlichen Domain kann mit Hilfe dieses Schnellverfahrens die Suspendierung der Adresse beantragt werden. Allerdings ist das URS-Verfahren nur für besonders eindeutige Rechtsverletzungen konzipiert worden. Es ist allerdings auch schneller und kostengünstiger als die bewährte UDRP-Verfahren. Ca. 300 Domains wurden mit Hilfe des neuen URS-Verfahrens bereits abgeschaltet, u.a. Adressen wie dior.clothing, lufthansa.company oder fcbarcelona.today.

Was bedeuten die new gTLDs für Markeninhaber?

Doch was bedeuten die neuen Domainendungen für Markeninhaber in der Praxis? Wenn nicht bereits geschehen, müssen sich Rechteinhaber nun der Frage stellen, wie sie die neuen Domainnamen in ihre Marketingstrategie integrieren. Einige verwenden die unter den new gTLDs registrierten Domainnamen, um hierunter sog. Microsites zu speziellen Themen zu betreiben. Andere stellen ihre Unternehmens-Website gänzlich auf eine der neuen Domainnamen um. Gerade Inhaber umfangreicherer Domain-Portfolios müssen sich aber überlegen, welche grundsätzliche Strategie sie mit ihrem Portfolio zukünftig verfolgen wollen, zumal die sog. ccTLDs (country code Top-Level Domains) an ihrer Attraktivität bislang nichts eingebüßt haben.

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